Lieferkettengesetz: Schutz von Mensch und Umwelt in globalen Wertschöpfungsketten

Anfang März verabschiedete die deutsche Bundesregierung einen Entwurf für das Lieferkettengesetz. Das Gesetz soll Unternehmen dazu verpflichten, die Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltstandards entlang der gesamten Wertschöpfungskette sicherzustellen. Bald will auch die EU-Kommission einen Legislativvorschlag zur Sorgfalts- und Rechenschaftspflicht (2020/2129, INL) zum Schutz von Menschenrechten und der Umwelt präsentieren.

Was bedeutet das Lieferkettengesetz für Unternehmen?
Das Lieferkettengesetz (offiziell „Sorgfaltspflichtengesetz“) soll dafür sorgen, dass Unternehmen für negative Auswirkungen auf Menschenrechte sowie auf die Umwelt, die entlang der Wertschöpfungskette entstehen, zur Verantwortung gezogen werden. Unternehmen müssen unter anderem sicherstellen, dass ihre Lieferanten nicht gegen das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit verstoßen, angemessene Löhne zahlen und Umweltauflagen einhalten. Zusätzlich sieht das Lieferkettengesetz vor, dass Unternehmen über ihre Prüfungsaktivitäten berichten und Beschwerdemöglichkeiten (Whistleblower-System) einrichten.

Deutschland und Frankreich als Vorreiter
In Deutschland gilt das Lieferkettengesetz ab 2023 für Konzerne mit mehr als 3000 MitarbeiterInnen. Ab dem Jahr 2024 wird die Regelung auf alle Unternehmen mit über 1000 Angestellten ausgeweitet und betrifft somit mehr als 2900 Betriebe. Bei Nichterfüllung der Sorgfaltspflichten sieht der deutsche Gesetzesentwurf Busgelder von bis zu 2% des Jahresumsatzes vor. Zudem droht Unternehmen, die gegen das Lieferkettengesetz verstoßen, eine bis zu dreijähriger Ausschließung von öffentlichen Ausschreibungen. In Frankreich besteht ein Gesetz dieser Art bereits seit dem Jahr 2017 („Loi de vigilance“).

EU-weites Lieferkettengesetz
Eine Studie im Auftrag der EU-Kommission zeigte, dass nur jedes dritte Unternehmen in der EU seine globalen Lieferketten auf Menschenrechts- und Umweltauswirkungen überprüft. Deshalb wird jetzt auch auf EU-Ebene an einem Vorschlag zu nachhaltiger Unternehmensführung gearbeitet, der Regelungen zur Sorgfaltspflicht (2020/2129, INL) in Lieferketten enthalten wird. Den konkreten Entwurf des Gesetzes will die EU-Kommission im Juni 2021 vorstellen. Ziel des EU-weiten Lieferkettengesetz ist es, dass künftig nicht nur menschenrechtliche, sondern auch umweltrechtliche Risiken verpflichtend entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu identifizieren und zu prüfen sind. Während das Lieferkettengesetz in Deutschland für Unternehmen mit mehr als 3000 bzw. 1000 MitarbeiterInnen gelten soll, fordert die EU, dass auch kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in Hochrisikosektoren und börsennotierte KMUs, die ihre Produkte im Europäischen Binnenmarkt verkaufen, ihre Lieferketten genauer prüfen. Eine derartige EU-Richtline würde also auch in Österreich zu einem umfangreichen Lieferkettengesetz führen.

Wie unterstützt VieSto Unternehmen im Hinblick auf das Lieferkettengesetz?
Um Ihr Unternehmen zeitgerecht auf das kommende Lieferkettengesetz vorzubereiten, unterstützt VieSto Sie dabei,

  • …soziale und ökologische Risiken sowie tatsächliche Auswirkungen in den Lieferketten zu identifizieren. Dies erfolgt mittels Umfeldanalyse, Input von internen und externen Stakeholdern und Peer Gruppen
  • …Ihr eigenes Risikoprofil besser zu verstehen und einen Perspektivenwechsel von Geschäftsrisiken zu sozialen und ökologischen Risiken zu schaffen.
  • …die Risiken und Auswirkung des eigenen Geschäftsmodells und der Einkaufspraxis auf die Risiken in der Lieferkette zu bewerten.
  • Maßnahmen zu entwickeln, um positive Auswirkungen zu stärken und negative zu minimieren.